Donnerstag, 8. Februar 2018

Die Predigtlänge

Der Heilige Vater beschäftigt sich derzeit mit Länge und Qulität von Predigten, wie man beim Kreuzknappen lesen kann. Wenngleich ich auch nicht gerade ein großer Verehrer von Franz dem Ersten bin, muß ich doch sagen, daß er mir diesmal aus der Seele gesprochen hat. 
Unser derzeitige geistliche Herr predigt vor dem Introitus 5 Minuten, nach dem Evangelium 15 Minuten und vor dem letzten Segen noch einmal 5 Minuten. Ein fürchterlicher "Erklärbär", der alles dreifach wiederholt, damit seine dummen Schäfchen es auch bloß verinnerlichen. Folge: Keiner hört mehr zu oder man fährt ins Nachbardorf, wo ein anderer Priester zelebriert. Der Zelebrantenplan des "Pastoralverbundes" L. wird mittlerweile heimlich "schwarz" weitergereicht, damit man ausweichen kann. 
Was waren es doch für selige Zeiten, als die Predigt nicht zur Liturgie gehörte und vor dem Hochamte gehalten wurde. Sehr praktisch war es auch, wenn die Männerwelt unter der Predigt von der Orgelbühne in den Läuteboden des Kirchturmes schlüpfen konnte. In einem mir bekannten Orte des Hochstiftes soll diese Turmetage immer recht verqualmt gewesen sein...
Unser betagter Pfarrvikar, vor der Vertreibung auch Domprediger in Breslau gewesen, sagte immer, eine Predigt solle nicht länger als 5 bis 7 Minuten dauern, da die Leute sonst nicht mehr zuhören würden und sich nichts merkten. Recht hatte er!
Falls man mir nun vorwerfen möchte, ich sei ein Freund der 40-Minuten-Schnell-Schnell-Messe:
Nein, die Liturgie darf von mir aus ruhig 2 Stunden dauern. Ich möchte aber nicht zugetextet werden. Ein der göttlichen Majestät geschuldeter Kultus ist nicht dazu da, Leute zu belehren und seine vermeintliche Redekunst zur Schau zu stellen. Wir sind schließlich gottlob keine Protestanten. Die reden ja erfolgreich seit Jahrhunderten ihre Kirchen leer. 

Predigt in der Pfarrkirche zu Insbruck, von Adolph von Menzel.
Quelle: Wikimedia.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Münster: Dumme Polizisten...

Da half es auch nichts, daß man heute schon Abitur haben muß, um Wachtmeister zu werden. In Münster haben Polizisten diverse Kritzeleien auf einem Trottoir gegenüber besorgten Bürgern und der Presse als "Segenszeichen der Sternsinger" gedeutet. Ich weiß jetzt nicht, ob ich über soviel Dummheit bei der Staatsmacht lachen oder weinen soll.
Aber lest es selbst:

Hier gehts zur Nachricht.

Man soll natürlich nicht nur meckern, sondern auch helfen. Also, meine lieben Herren Gendarmen:
Hier gibt es Nachhilfe in Sachen "Heilige Drei Könige"! 

Freitag, 29. Dezember 2017

O selige Nacht!

Der heutige Post beschäftigt sich mit einem allseits bekannten Weihnachtslied aus der Feder von Christoph Bernhard Verspoell: "O selige Nacht, in himmlischer Pracht..." In der (Erz-)Diözese Paderborn wurde das Lied nach der Melodiefassung aus Heinrich Bones "Cantate" gesungen. Bei Herausgabe des "neuen" Sursum Corda im Jahre 1948 gab man diese allseits beliebte Melodie auf, da das Lied "Einheitslied für die nordwestdeutschen Bistümer" geworden war. Melodien- und Textvielfalt der einzelnen Diözesen sind seither verpönt; endgültig seit dem Erscheinen des "Gotteslob" 1975 haben gefälligst alle, von Flensburg bis zum Weißwurstäquator, denselben Einheitsbrei zu singen. 
Solange noch eine alte Organistengeneration aus angelernten Kräften und orgelnden Hauptlehrern auf unseren Dörfern in Amt und Würden wahr, hatte die Landbevölkerung Glück: Die Melodien aus dem 1948er Sursum Corda und dem Gotteslob wurden, wenn sie denn von den bislang bekannten abwichen, einfach ignoriert. Eine neue Pfarrergeneration, zumal in den Städten, machte dann Schluß mit lokalen Eigengewohnheiten. Das übrige tat eine neue, nur an den Minimalismus des Gotteslobes gewöhnte und "C-examinierte" Organistengeneration. Auch in meinem Heimatdorf müssen wir das eingangs erwähnte Weihnachtslied seit rund 20 Jahren nach der Münsterschen Weise singen. Ich sag es ehrlich: Ich kann es nicht und ich will es nicht. Man mag mir unterstellen, selbstverklärten Kindheitserinnerungen nachzuhängen und man mag damit vielleicht sogar im Recht sein; es ändert nichts an der Wehmut, die sich in jedem Jahr zu Weihnachten bei mir und anderen Gläubigen einstellt. Mittlerweile sind es auch nur noch die älteren Kirchgänger, die den alten Weisen hinterhertrauern. Die Masse der Gemeinden geht nicht zur Kirche. Es interessiert die Menschen nicht mehr, was und wie es gesungen wird. Für solcherlei Sentimentalitäten ist in der heutigen Zeitgeistkirche kein Platz. Bleibt der Rückzug ins Private. 
Zuhause singen wir natürlich nur die "alte" Melodie. Wie erstaunt war ich, als ich eben ein wenig im Internet stöberte und eine wunderschöne Aufnahme des Liedes, gesungen vom Helmstedter Kammerchor nach der so lang vermißten alten Boneschen Weise, dort fand. 
Für alle, die sie nicht (mehr) kennen, geht es hier zur Aufnahme. 

1. O selige Nacht!
In himmlischer Pracht
erscheint auf der Weide
ein Bote der Freude
den Hirten, die nächtlich die Herde bewacht.

2. Wie tröstlich er spricht:
„O fürchtet euch nicht!
Ihr waret verloren,
heut ist euch geboren
der Heiland, der allen das Leben verspricht.

3. Seht Bethlehem dort,
den glücklichen Ort,
da werdet ihr finden,
was wir euch verkünden:
das sehnlich erwartete göttliche Wort!“




4. So eilt denn geschwind
zum göttlichen Kind!
Eilt Fromme und Sünder,
eilt Eltern und Kinder,
ihm weihet die Herzen, von Liebe endzündt'!

5. O tröstliche Zeit,
die alle erfreut;
sie lindert die Schmerzen,
sie wecket die Herzen
zum Danke, zur Liebe, zur himmlischen Freud.

Dienstag, 12. Dezember 2017

13.12.: Rorateamt in Paderborn

Herzliche Einladung:
Morgen, am 13.12., ist um 18.30 Uhr Rorateamt in der außerordentlichen Form im Hohen Dom in Paderborn. Die Feier beginnt mit einer kleinen Lichterprozession im Atrium am Domkreuzgang, es folgt das Hochamt im Pfarrwinkel (rechtes Querhaus).



Donnerstag, 16. November 2017

Angelius-Gebet

Die alte Steigerungsform von "schwarz", nämlich "Schwarz - Münster - Paderborn" scheint auch nicht mehr zu stimmen. Das Neuheidentum wuchert auch im Hochstift und seiner Hauptstadt immer schlimmer. 
Da haben nun das Westfälische Volksblatt und die Werbegemeinschaft Paderborn als Zeitungsbeilage ein Hochglanzheft "Weihnachten in Paderborn" mit allerlei Reklame und mehr oder weniger nützlichen Artikelchen herausgebracht. Ein Terminkalender für den Weihnachtsmarkt und alle sonstigen adventlichen "vorweihnachtlichen" Veranstaltungen ist auch dabei. An jedem Samstag im Advent ist dort folgende Veranstaltung eingetragen:

"12.00 Uhr: Angelius-Gebet im Dom, anschließend Angelius-Matinee."

Den hiesigen Journalisten sei angeraten, sich mal ein Büchlein zu kaufen:


P.S. Auch neuere Ausgaben gleichen Inhaltes sind in den hiesigen Buchhandlungen erhältlich.

Freitag, 10. November 2017

Gesundheitstip des Tages

"Wann jey mohern krank weert, chohet oppe Breuers liggen, nit op Vincenz!" Für alle Nichtwestfalen: "Wenn Ihr morgen krank werdet, geht auffe Brüders liegen*, nicht auf Vincenz!"

Wohlgemeinter Warnhinweis eines leicht besorgten Arbeitskollegen, dem zu Ohren gekommen war, daß die Mitarbeiter des St. Vincenz-Krankenhauses am heutigen Abend ihre jährliche Betriebsfeier haben. Er befürchtete wohl die Wirkungen des Restalkoholes während der Tagesschicht und empfahl daher das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder...

------------
* Paderborner hochdeutsche Sondergrammatik für "legt Euch auf die Brüder"